Aktion: Leerstand vs. obdachlos!?
EinTritt: (Pressemitteilung) Trier. Donnerstag, den 26.08.2010. Heute Abend hingen fünf „EinTritt“-Aktivisten in einer Kletteraktion ein Banner an ein leerstehendes Gebäude in Trier-Feyen. Mit dem Schriftzug: „Leerstand vs. obdachlos?!“ will die Obdachlosen-Initiative von „Trier bewegt“ darauf aufmerksam machen, dass trotz kritische Wohnraumsituation potentieller Wohnraum verschlossen bleibt. Dazu zählen, laut EinTritt, unter anderem die Konversionsflächen in Trier-Feyen, Trier-West und im Burgunderviertel/Petrisberg. Selbst in der Innenstadt, Zuckerbergstraße, stehe ein leeres Wohnhaus der Kommune, in dessen Hof obdachlose Menschen campieren, weil diese keine Wohnung finden.
„Welch Ironie. Obwohl bekannt ist, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt, hat die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (kurz BIMA) und die Stadt Trier potentiellen Wohnraum verfallen lassen“, protestiert EinTritt-Aktivistin Jenny Wolf. Weiter sagt Wolf: „Gerade in Trier besteht durch die Nähe zu Luxemburg und durch die Universität ein dringender Bedarf an Wohnungen. Es kann es nicht sein, dass jährlich vor Semesterbeginn mehr Trierer Einwohner auf der Straße landen, weil die Brisanz der Situation nicht ernst genug genommen wird.“
Der Aktion geht eine Presseveröffentlichung der Caritas Trier voraus, welche die jährlich steigenden Zahlen an wohnungslosen Menschen in Trier belegen. Ursache seien, laut „EinTritt“, investitionsstarke Luxemburger, die viele Immobilien aufkaufen und teuer vermieten, sowie der jährliche Ansturm an neuen Studenten. „In der Kaserne in Trier-Feyen wurde potentieller Wohnraum für Hunderte von Menschen verkommen gelassen, anstatt die leeren Wohngebäude einer sinnvollen Nutzung freizugeben“, erklärt Wolf. Weiterhin sagt Wolf: „Auch in Trier-West gibt es Konversionsflächen die leer stehen, genauso wie im Burgunderviertel.“ Es gäbe zwar Pläne der Stadt, in Feyen in zehn Jahren eine Wohnsiedlung entstehen zu lassen, doch was Trier bräuchte, wären kurzfristig Wohnungen für untere Einkommensklassen, so die Aktivistin. Weil sich durch die steigende Anzahl der Studenten die Situation mehr und mehr zuspitze, fordere EinTritt: „Gebt den potentiellen Wohnraum für Einkommensschwache jetzt frei!“
Ein besonders trauriges Bild biete das kommunale Wohnhaus in der Zuckerbergstraße. „Im Hinterhof des leerstehenden Hauses campieren obdachlose Menschen, weil sie keine Wohnung finden“, erzählt Wolf. „Diese Menschen leiden gerade in diesem Moment Not und bis nächstes Jahr kommen bestimmt wieder mehr Obdachlose dazu“, so Wolf.
Elite vs. Einwohner?!
Zu dem Verhältnis zwischen Universität und Stadt kommentiert Kampagnenleiter Michael-Ron Stallwood: „Laut Caritas werden immer mehr 18-30 Jährige wohnungslos. Diese haben die gleichen Ansprüche an Wohnungen wie Studenten – nämlich Singlewohnungen und Appartements. Gegen die elitäre Konkurrenz haben viele Trierer kaum eine Chance. Deshalb bedarf es nicht nur mehr studentischen Wohnraums, sondern auch angemessene Wohnungen für die jungen Erwachsenen dieser Stadt – und zwar jetzt!“
