Der Nächste, bitte!
EinTritt: Montag, den 16.08.2010. Robert P. lies sich von der Motivation seiner Freunde Armin G. und Jörg B. anstecken und sagte unserem "EinTritt"-Mitarbeiter: "Ich bin der nächste!"
Leider gestaltete sich die Problembehandlung im Fall Robert P. schwieriger als bei seinen Freunden. Robert P. ist tschechischer Staatsbürger. Zwar waren seine Vorfahren Deutsche gewesen, womit Robert nach deutschem Recht die deutsche Staatsangehörigkeit zusteht, aber er hatte aus Unwissenheit die Staatsangehörigkeit nie beantragt. Jetzt ist in erster Linie die Tschechei für ihn verantwortlich.
Nachdem "Trier bewegt" vor etwa zwei Wochen bei allen vorhandenen Stellen (von den kommunalen Ämtern bis zum Landessozialamt) erfolglos versuchte Hilfe für Robert P. zu mobilisieren, entschied Robert sich dafür zurück in die Tschechei zu fahren. Begleitet vom Kampagnenleiter Michael-Ron Stallwood und dem SWR-Reporter Frank Hisam setzte Robert sich heute morgen in den Zug. Für die Fahrkarte sparte er etwas Geld vom Flötenspielen auf der Straße. Den Rest bezahlte "EinTritt".
Er möchte seine verloren gegangenen Papiere erneut ausstellen lassen und dann mit der tschechischen Allgemeinen Krankenversicherung eine Therapie beginnen. Die Reise ist nicht ungefährlich. Der Gesundheitszustand von Robert P. ist bedenklich und er wird mehrere Wochen weiterhin ohne Obdach, ohne Schutz und ohne Einkommen sein, während er versucht seine Papiere zu organisieren.
"Leider konnten wir Ehrenamtlichen nichts mehr tun, als seine Entscheidung zu unterstützen und ihn ein wenig zu begleiten", erklärt Michael-Ron Stallwood besorgt. "Eigentlich hätte ihn zuerst ein Arzt untersuchen müssen," sagt Stallwood weiter. Doch weil keine akute Lebensgefahr bestand und ihm als nicht-deutscher Bürger alle amtliche Hilfe verweigert wurde, gab es keinen Kostenträger für die Arztrechnung und somit keinen Arzt, der bereit gewesen wäre ihn zu untersuchen.
"EinTritt" versucht mit Robert P. in Kontakt zu bleiben. Wenn er seine Dokumente besorgt hat, will "EinTritt" ihm bei der Vermittlung zu einem geeignetem Therapieplatz helfen. Nach einem erfolgreichen Abschluss der Therapie soll für Robert P. die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt werden. Gerne würde er danach in einer caritativen Einrichtung helfen oder sich bei der Polizei bewerben um auch anderen Menschen zu helfen, erzählte er noch am Morgen vor der Abfahrt.
Wir drücken ihm ganz fest die Daumen und wünschen ihm alles Gute, viel Glück und Erfolg bei seinem Vorhaben!
